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Don't let the system get you down

Ich habe für den Wochenendausflug quer durch unseren alt-ehrwürdigen Heimatstaat Karnataka eine neue Art der Intensivkommunikation entwickelt: Hierzu lässt man einfach alle Wörter des Satzes bis auf das Wichtigste weg, wiederholt dieses Wort zweimal schnell hintereinader und hängt noch eine unformelle Anrede wie "Boss" hintendran. Für Außenstehende mag man zwar etwas sturr wirken, wenn man sich mit "Volvo Volvo", "Boss, A/C A/C??" und "Hampi Hampi, Boss" durch die ca. 1,5 Millionen Mitreisenden schlängelt, aber für ausgedehnte Gespräche über Gott, die Welt und den Sinn des aktuellen Lebens ist ein Busbahnhof eh eher ungeeignet.

Wer je einen indischen Busbahnhof durchquert hat, für den wirkt ein arabischer Bazar danach wie ein Staatsbegräbnis und ein Ameisenhaufen wie eine Militärparade. Der Volvo-A/C-Bus, der uns dann letztendlich in einer Nachtfahrt nach Hampi gebracht hat, war aber erstaunlicherweise wirklich gut. Es gab sogar eine Bedienung, die Wasser verteilt hat, und einen Fernseher, der den ganzen Bus bis auf die 4 europäischen Gäste mit Stand-Up Comedy auf Hindi unterhalten hat. Mein Plan, in der Nacht etwas Schlaf zu finden, wurde aber nicht von dem Fernseher, sondern von dem Holzfäller auf dem Sitz hinter mir zunichte gemacht. Dieser Mensch hat im Schlaf Geräusche gemacht, die man sonst höchstens aus dem Tierreich kennt. Er hat so laut geschnarcht, dass man dachte, er hätte einen lebenden Wasserbüffel verschlungen oder würde versuchen, alle festen Bestandteile seines Körpers durch die Atemwege nach außen zu befördern. Insgesamt war er somit der einzige, der am nächsten morgen um fünf ausgeschlafen in Hampi ankam.
In der Stadt der Tempel und Felsen angekommen, hab ich mich erstmal daran gemacht, einen tonnenschweren Feldblock mit reiner Muskelkraft zu spalten. Zum Glück hat Steffen das auf dem Foto festgehalten:

Hampi war einst die Hauptstadt eines großen Hindu-Reiches und angeblich die zweit-reichste Stadt nach Rom. Mittlerweile ist es aber in der Tabelle ein bisschen nach hinten gerutscht und so kommt es, dass alle Klos der Stadt noch aus dem Mittelalter stammen und seitdem nicht mehr geputzt wurden. Zum Glück kann ich in solchen Fällen meine komplette Verdauung auf Stand-by schalten, sodass mir ein Besuch dieser Örtchen erspart blieb.

Wesentlich ernster war da schon das Problem, dass in ganz Hampi kein Alkohol (wozu die Inder auch Bier zählen) ausgeschenkt wird. Das muss man sich mal vorstellen. Man kommt als Angehöriger einer Kultur, die durch Bier erst groß geworden ist und die Bier als Grundlage jeder Kommunikation voraussetzt, in eine Stadt, in der es so etwas wie Bier nicht gibt. So müssen sich Amstrong und McNeill gefühlt haben, als sie auf dem Mond landeten und feststellen mussten, dass es dort keinen Sauerstoff zum Atmen gibt.

Nach dem ersten Schock sind wir also abends in den Untergrund abgetaucht und haben etwas bestellt, dass auf der Karte in einer unzugänglichen Ecke als "Kypiraia" angeboten wurde. Im Gegensatz zu dem, was der gemeine Brasilianer unter dem Limetten-Cocktail versteht, brachte man uns ein Gemisch aus Cola, Zitronen und Frostschutzmittel, das nach Hansaplast-Pflastern schmeckte. Nicht, dass ich so sehr an meinem Augenlicht hänge, aber es für diesen Ethanol-Punch zu opfern, das ging mir dann doch zu weit.

Zum Abschluss des Wochenendes kam dann noch der Höhepunkt: Wir haben jeder tief in die Tasche gegriffen, 2 Euro hervorgekramt, und jeder ein Moped für den ganzen Tag gemietet. OK, das Benzin war nicht im Preis enthalten, und so mussten wir weitere 1,50 Euro berappen, damit ein Nachbarjunge Benzin aus einer Wasserflasche in's Moped gekippt hat. Auf Führerscheine oder Helme wird dabei kein Wert gelegt, und genauso wenig auf Licht, Blinker, Tacho, eine funktionierende Bremse oder eine stabile Kette. Zum Glück gab es in dem abgelegenen Dorf, in dem sich Fabis Moped in Einzelteile zerlegt hat, einen Mechaniker am Straßenrand, der das Gefährt wieder flott machen konnte.

 

 

7.11.06 20:46

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


toolmaster / Website (10.11.06 10:42)
Mann Slomo, du solltest echt an Deiner Rechtschreibung arbeiten. Ich weiss, es ist wahrscheinlich schwierig mit englischen (oder Hindi- ???) Tastaturen zu schreiben, aber deswegen ganze Wörter weglassen?! Sowas erschwert es doch erheblich, den Sinn Deiner Erzählungen zu erfassen. Vor allem hätte mich nämlich interessiert, was mit dem Holzfäller im Bus nach Hampi los war...

LG, tm


Kumar (14.11.06 05:56)
Hi Daniel,
how was the self-chiki-chiki?

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